Alles über Laktose - Teil 1
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Alles über… Laktose – Teil 1

Was genau ist eigentlich diese Laktose, von der man inzwischen schon so viel gehört hat? Wie wird sie im Körper verdaut, wo können Störungen auftreten und welche Ursachen  haben sie? Was ist dieses Milcheiweiß, von dem auch oft gesprochen wird? Woran erkenne ich, dass ich Probleme mit Laktose habe und kann man eine Laktoseintoleranz wieder rückgängig machen? All diese Fragen und noch viele mehr möchte ich in diesem Artikel klären.

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Zu dieser Reihe

Wenn du bereits in meine Podcast-Folge 17 zum Thema Unterschiede und Diagnosemöglichkeiten von Allergien, Intoleranzen und Unverträglichkeiten reingehört hast, dann weißt du, dass ich eine kleine Reihe über konkrete Intoleranzen und Unverträglichkeiten geplant habe, die ich frecherweise jetzt „Alles über…“ – in diesem Fall jetzt Laktose – genannt habe. Dieses „Alles“ ist dabei natürlich relativ zu betrachten, denn einerseits werde ich sicherlich nicht wirklich alle Infos in dieser Folge unterbringen können – und tatsächlich habe ich das nämlich auch nicht geschafft, die Podcast-Folge ist so lang geworden, dass ich sie auf zwei Folgen aufteilen musste. Andererseits wird es sicher auch nochmal neue Erkenntnisse geben, die ich zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht einplanen kann. Aber hier schon mal der Hinweis: Falls du in dieser Folge bemerkst, dass da noch eine wichtige Info fehlt oder du Erfahrungen mit Laktose gemacht hast, die du gern teilen möchtest, weil sie anderen vielleicht weiterhelfen können, dann schreib mir gerne eine Mail und dann werde ich diese Infos und Erfahrungen für alle noch zugänglich machen.

Was in dieses „Alles“ auch nicht mit reinspielen kann, ist, dass ich hier die Laktose tatsächlich isoliert betrachte. Wenn du also mit mehr Lebensmitteln als nur den Laktosehaltigen Probleme hast, dann können dir die folgenden Infos zwar sicherlich weiterhelfen, sie müssten aber eigentlich im Zusammenspiel mit deinen anderen Beschwerden betrachtet werden, deshalb hier von mir der wichtige rechtliche Hinweis, dass dieser Artikel generell nur zur Wissensvermittlung dienen kann und keinen ärztlichen Rat und auch keine Therapie bei einem erfahrenen Ernährungsexperten wie einem Diätassistenten ersetzen kann. Das liegt daran, dass ich dich und deine individuellen Beschwerden und deine Ernährung nicht kenne und deswegen nicht einschätzen kann, ob und inwiefern die Tipps, die hier nun im Folgenden gegeben werden, für dich passend, hilfreich und sinnvoll sind. Wenn du also etwas von dem ausprobieren willst, was ich dir hier erzähle, dann sprich das bitte vorher mit deinem Arzt oder deinem Diätassistenten ab.

Fangen wir nun aber mal richtig an. Ich habe diesen Artikel in mehrere Abschnitte gegliedert, damit das für dich übersichtlicher wird. Starten würde ich gerne mit dem Abschnitt was Laktose eigentlich ist und was im Gegensatz dazu das Milcheiweiß ist.

Was ist Laktose? Was ist Milcheiweiß?

Laktose ist der Fachbegriff für den Milchzucker. Milchzucker wiederum gehört zu den Kohlenhydraten, genauer gesagt zu den sogenannten Disacchariden, also den Zweifachzuckern. Zweifachzucker zeichnen sich dadurch aus, dass zwei Moleküle miteinander verbunden sind, in diesem Falle sind das Glucose (auch Traubenzucker genannt) und Galaktose (auch Schleimzucker genannt), die zusammen eben die Laktose bilden. Keine Sorge, das war’s an dieser Stelle auch erstmal mit der Chemie 😉 Obwohl die Laktose ein Zucker ist, schmeckt er nicht besonders süß, er hat gerade mal etwa 39% der Süßkraft von normalem Haushaltszucker.

Laktose kommt natürlicherweise nur in Milch und Milchprodukten vor, wird von der Lebensmittelindustrie und der Pharmaindustrie inzwischen aber auch oft in verschiedenen Formen Fertigprodukten und Tabletten zugesetzt. Das hat unterschiedliche Gründe, darauf werde ich in der nächsten Podcast-Folge bzw. im nächsten Blogartikel noch genauer eingehen.

Kommen wir erstmal noch zum Milcheiweiß: Was ist das genau? Wie der Name schon sagt handelt es sich hierbei um das Eiweiß in der Milch und davon gibt es verschiedene Sorten, die man nochmal in die Gruppen der Kaseine und der Molkeneiweiße aufteilen kann. Eine Unverträglichkeit oder Intoleranz gegen diese Eiweiß-Gruppen gibt es eigentlich nicht, man kann aber eine Allergie dagegen haben und zwar entweder nur gegen die Molkeneiweiße, dann werden Milch von Schaf, Ziege oder Stute und oft auch hocherhitzte Kuhmilchprodukte vertragen, weil die Molkeneiweiße nämlich nur in der Kuhmilch drin sind. Oder es liegt eine Milcheiweißallergie vor, dann sind beide Eiweiß-Gruppen betroffen und es müssen alle Milchsorten und deren Produkte gemieden werden, wobei es hier auch noch ein paar Tricks gibt, das würde jetzt hier aber zu weit führen, da wir uns ja eigentlich nur mit der Laktose beschäftigen wollen.

Machen wir mit der dann doch auch direkt mal weiter und schauen uns die Verdauung von Laktose an.

Verdauung von Laktose

Dafür ist jetzt nochmal wichtig, was ich vorhin über die Laktose geschrieben habe, nämlich dass sie aus zwei Molekülen besteht. Das Prinzip unserer Verdauung im Allgemeinen ist nämlich, dass sämtliche Nahrung, die wir zu uns nehmen, in ihre kleinsten Bestandteile – eben bis hin zu den einzelnen Molekülen – aufgespalten werden muss, damit unser Körper sie verwerten und überhaupt erst richtig in den Körper aufnehmen kann. Denn unser gesamter Verdauungstrakt vom Mund bis zum After oder Anus ist – wenn man es ganz genau nimmt – noch Außenwelt. Wir sind im Grunde wie ein großer Donut mit einem Loch in der Mitte 😉 Die einzelnen Bestandteile unserer Nahrung gelangen erst im Darm, genauer gesagt im Dünndarm, tatsächlich in unseren Körper, wenn sie nämlich schon in so kleine Einheiten zerlegt wurden, dass sie unsere Dünndarmschleimhaut passieren können.

Machen wir das doch anhand der Laktose etwas anschaulicher: Nehmen wir an, wir trinken ein Glas Milch. Weil die ja flüssig ist, rutscht sie ziemlich schnell durch die Speiseröhre in den Magen, wo sie quasi einmal desinfiziert wird. Mit der Laktose passiert aber erstmal noch nichts. Das kommt erst im nächsten Schritt, wenn die Milch weiter in den Dünndarm wandert, wo nämlich aus der Schleimhaut der Darmwand dann kleine Helferlein kommen, die die Laktose in ihre beiden einzelnen Moleküle aufspaltet. Diese kleinen Helfer nennen sich Enzyme und im Fall der Laktose trennt ein ganz bestimmtes Enzym, nämlich die Laktase, die beiden Moleküle voneinander. Diese beiden einzelnen Moleküle, die jetzt Glukose und Galaktose heißen, werden dann durch die Dünndarmschleimhaut in unseren Körper – genauer gesagt ins Blut – transportiert und von dort aus zur Leber gebracht, wo sie zur Energiegewinnung genutzt werden.

An diesem Punkt siehst du vielleicht auch schon, wo Störungen auftreten können und damit kommen wir direkt zum nächsten Abschnitt.

Mögliche Störungen in der Verdauung von Laktose

Wie du entweder vielleicht schon weißt oder inzwischen erahnen kannst, sind es genau diese Helferlein, diese Enzyme, konkret die Laktase, die den Knackpunkt der Verdauung von Laktose ausmachen. Wenn nicht genügend Laktase vorhanden ist, kann auch die Laktose nicht vollständig aufgespalten werden. Ist das der Fall, wandert sie weiter in den Dickdarm, wo Milliarden von Bakterien sich über die Laktose hermachen und sie zersetzen. Das tun sie aber auf andere Art als die Enzyme und deshalb kommen auch nicht Glucose und Galaktose dabei heraus, sondern Gase wie Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid, aber auch organische Säuren wie Milch- und Essigsäure. Die Gase sorgen dann für die unangenehmen, krampfartigen Blähungen, die Säuren wiederum regen die Darmbewegung an. Zu dieser Darmbewegung kommt dann noch der sogenannte osmotische Effekt: Zuerst erhöht sich der Druck im Inneren des Dickdarms, den unser Körper wieder ausgleichen möchte, indem er Wasser in den Darm schickt, was allerdings dann dazu führt, dass der Darminhalt, also unser Stuhl, sich mit dem Wasser anreichert, flüssiger wird und Durchfälle entstehen.

Das bringt uns schon direkt zum nächsten Punkt, nämlich den typischen Beschwerden.

Beschwerden bei einer gestörten Laktose-Verdauung

Zwei habe ich vorhin schon genannt: Blähungen und Durchfälle. Sie sind die klassischen Symptome bei einer Laktoseintoleranz oder -unverträglichkeit. Es können aber auch noch weitere Beschwerden auftreten wie Übelkeit, Aufstoßen und unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit oder Erschöpfung.

Damit unterscheiden sich die Beschwerden einer Intoleranz oder Unverträglichkeit übrigens auch von einer Allergie, denn da reagieren eher Haut und Atemwege, wobei der Magen-Darm-Trakt auch da betroffen sein kann.

Ich habe von euch auch noch die Frage bekommen, ob es bei einer Laktoseintoleranz auch zu Beschwerden wie einem Brennen der Zunge kommen kann. Ich habe dazu recherchiert und nur Fälle gefunden, wo von einer belegten Zunge und Mundgeruch die Rede ist, aber das heißt nicht, dass es das Symptom einer brennenden Zunge nicht auch geben kann. Es wäre ein sehr seltenes Symptom und keines, was sich für mich gerade logisch und chemisch erklären lässt, so dass ich eher vermuten würde, dass es woanders herkommt. Trotzdem möchte ich auch nicht ausschließen, dass das auch ein Symptom bei einer Intoleranz oder Unverträglichkeit sein kann, weil einfach jeder Körper anders ist und sich anders ausdrückt und ich gerade in Sachen Unverträglichkeiten die Erfahrung gemacht habe, dass es nichts gibt, was es nicht gibt 😉

Kommen wir aber nochmal zurück zu den Beschwerden allgemein: Die zeigen sich meistens direkt nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln, wobei der Durchfall auch erst Stunden später auftreten oder sogar mehrere Tage anhalten kann. Wie sich das genau äußert, ist von Person zu Person verschieden und hängt auch nicht nur davon ab, wie viel Laktose man zu sich genommen hat, sondern auch davon, wie die Bakterien im Dickdarm zusammengesetzt sind, also welche Bakterienstämme hier vermehrt und welche weniger häufig vorkommen. Was außerdem noch in die Verträglichkeit mit reinspielt ist die Geschwindigkeit, mit der der Speisebrei durch den Dünndarm geleitet wird. Je langsamer der Brei nämlich durch den Dünndarm geschleust wird, desto mehr Zeit hat die Laktase, die Laktose aufzuspalten. Langsamer wird so ein Durchschleusen des Speisebreis übrigens durch Kälte und Fett. Ein höherer Fettgehalt bei der Auswahl von laktosehaltigen Lebensmitteln kann also dazu beitragen, dass man sie besser verträgt, genauso wenn man laktosehaltige Lebensmittel in kaltem oder kühlem Zustand isst.

Wie kommt es jetzt aber eigentlich dazu, dass nicht genügend Laktase vorhanden sein kann? Hierfür gibt es 3 mögliche Ursachen, die ich dir jetzt kurz vorstellen möchte.

Ursachen für einen Laktasemangel

Die erste und häufigste Ursache für einen Laktasemangel ist der sogenannte primäre Laktasemangel, der sich darin auszeichnet, dass man im Laufe des Erwachsenenalters immer weniger von diesem Enzym Laktase produziert. In diesem Fall ist das ein ganz natürlicher Prozess, der sich auch ganz einfach erklären lässt: Milch brauchen wir vor allem als Säugling, nämlich in Form von Muttermilch. Sobald die Muttermilch aber nicht mehr unser Hauptnahrungsmittel ist, lässt die Produktion von Laktase nach, weil wir sie einfach nicht mehr in dem Ausmaß benötigen. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Erwachsene eine Laktoseintoleranz entwickelt, denn die tritt erst auf, wenn die Produktion von Laktase in größerem Maße abnimmt als sie benötigt wird. Der primäre Laktasemangel ist also das, was wir ganz klassischerweise als die Laktoseintoleranz verstehen.

Wenn es einen primären Laktasemangel gibt, gibt es natürlich auch noch einen sekundären Laktasemangel. Der sekundäre Laktasemangel entsteht, wenn z.B. eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, veränderte Verhältnisse im Magen-Darm-Trakt (z.B. nach einer Operation, aber auch einfach durch Stress) oder die Einnahme bestimmter Medikamente (insbesondere Antibiotika) dazu führt, dass nicht genügend Laktase produziert wird. Hier ist also die Produktion vorübergehend durch die eben genannten Gründe gestört oder gehemmt. Das Schlüsselwort hierbei ist aber „vorübergehend“. Denn nach Heilung der Krankheit, Absetzen der Medikamente und Wiederherstellung der Balance im Magen-Darm-Trakt kann sich das auch wieder normalisieren. Der sekundäre Laktasemangel ist deshalb das, was man eher unter einer Laktose-Unverträglichkeit verstehen würde.

Gerade diese Laktose-Unverträglichkeit finde ich total spannend, denn viel zu oft bekommt man beim Arzt vorschnell die Diagnose „Laktoseintoleranz“ und die Empfehlung, sich doch dann ab jetzt ein Leben lang möglichst laktosefrei zu ernähren, ohne zu berücksichtigen, dass vielleicht auch nur eine Unverträglichkeit vorliegen kann, die nur vorübergehend und damit tatsächlich wieder umkehrbar ist. Wie das geht, dazu komme ich später noch.

Die dritte und letzte Ursache für einen Laktasemangel ist ein genetisch bedingter Enzymdefekt, der von Geburt an besteht. Das heißt, dass man durch einen genetischen Defekt schon damit zur Welt kommt, dass man keine oder nur sehr wenig Laktase produzieren kann. Diese Ursache ist sehr selten und vererbbar, wird auch als kongenitaler Laktasemangel oder Alactasie bezeichnet und würde auch eine schwere Form der Laktoseintoleranz beschreiben.

Apropos Genetik: Bei der Laktoseintoleranz, also dem primäre Laktasemangel, gibt ein Nord-Süd-Gefälle, hinter dem man eine genetische Ursache vermutet: In Skandinavien z.B. sind nur etwa 5-10 % betroffen, in Deutschland etwa 20-25 %, im Mittelmeerraum 40-60 % und in weiten Teilen Afrikas und Asiens sogar deutlich über 80%. Wer also von einer Intoleranz oder Unverträglichkeit betroffen ist, ist in der asiatischen und afrikanischen Küche ziemlich gut aufgehoben.

Kommen wir zum nächsten Abschnitt und schauen uns an, wie man die unterschiedlichen Arten des Laktasemangels diagnostizieren kann.

Welche Diagnosemöglichkeit gibt es?

Für den primären Laktasemangel, also die Laktoseintoleranz, wird in der Regel ein Wasserstoff-Atemtest beim Allergologen, Internisten oder Gastroenterologen gemacht. Dabei bekommt man den Milchzucker in einem Glas Wasser aufgelöst zu trinken und muss dann in bestimmten Zeitabständen in ein Gerät pusten, das dann den Wasserstoff in unserem Atem misst. Wie ich ja oben schon erwähnt habe, entstehen bei der Zersetzung der Bakterien von Laktose Gase, und eines dieser Gase ist der Wasserstoff, den wir wieder ausatmen und der dann ein Indikator dafür ist, dass unsere Bakterien die Laktose zersetzen und nicht unsere Enzyme, so wie es eigentlich sein sollte. Die Messwerte liegen dann hier zwischen 20 und 200 ppm (ppm ist hier die Einheit für die Anzahl der Wasserstoffteilchen pro 1 Million Luftteilchen).

Neben dem Wasserstoff-Atemtest, der eigentlich als Goldstandard gilt, gibt es noch einen Bluttest. Dabei bekommt man auch wieder den Milchzucker zu trinken, aber statt in ein Gerät zu pusten wird Blut abgenommen und der Blutzucker darin gemessen. Wenn nämlich der Blutzuckerwert im Vergleich zum nüchternen Zustand unter 20 mg/dl bleibt (und Beschwerden auftreten), dann liegt eine Intoleranz vor. Der Blutzuckerspiegel sollte in normalem Zustand auf über 20 mg/dl ansteigen, weil die Enzyme die Laktose aufspalten und sie in Form von Glucose und Galaktose ins Blut transportiert. Die Glucose wiederum ist das, was wir messen, wenn wir den Blutzucker messen. Dieses Verfahren ist aber deshalb nicht so weit verbreitet, weil der Blutzuckerspiegel auch aus anderen Gründen ansteigen kann und vor allem bei Diabetes das Ergebnis verfälscht sein kann.

Es gibt noch eine weitere Diagnosemöglichkeit, nämlich einen Gentest. Man weiß nämlich inzwischen, dass eine Genveränderung an einer ganz bestimmten Stelle mit dem Laktasemangel zu tun hat. Für den Gentest muss man dann einfach nur eine Blut- oder Speichelprobe abgeben und im Labor werden dann die Gene auf diese Veränderung hin untersucht. Allerdings ist dieser Test für die Feststellung einer Laktoseintoleranz nicht geeignet, weil interessanterweise diese Genveränderung nicht unbedingt dazu führen muss, dass man auch Probleme mit Laktose hat. Dieser Test kann im Grunde also nur eine Bestätigung dafür liefern, dass es sich um eine Intoleranz und keine Unverträglichkeit handelt, wenn man schon weiß, dass Laktose das Problem ist.

Für den sekundären Laktasemangel, die Laktose-Unverträglichkeit, kann auch ein Wasserstoff-Atemtest gemacht werden, der muss aber nicht immer unbedingt etwas anzeigen. Man kann also auch Probleme mit Laktose haben und ein negatives Testergebnis vom Wasserstoff-Atemtest. In solchen Fällen macht man dann eine sogenannte Auslassdiät, lässt also alle laktosehaltigen Lebensmittel weg und schaut, ob die Symptome dann besser werden. Ist das der Fall, liegt sehr wahrscheinlich eine Unverträglichkeit vor.

Ein Bluttest kann für eine Unverträglichkeit gemacht werden, ist aber aus den vorhin schon genannten Gründen auch nicht so sinnvoll wie ein Wasserstoff-Atemtest. Und ein Gentest ist bei dieser Art von Laktasemangel nicht möglich, weil das Problem hier ja nicht in den Genen liegt, sondern vielmehr mit einer Krankheit, Medikamenten oder einem nicht ausbalancierten Magen-Darm-Trakt zu tun hat.

Bei dem kongenitalen Laktasemangel, wo also dieser angeborene Enzymdefekt vorliegt, merkt man schon ziemlich schnell nach der Geburt des Säuglings, dass dieser die Muttermilch und auch andere Milchersatzpräparate nicht verträgt. Da kann dieser Enzymdefekt dann entsprechend nachgewiesen werden.

Nachdem wir jetzt wissen, wie man rauskriegt, ob man eine Intoleranz oder Unverträglichkeit gegen Laktose hat, ist nun interessant zu wissen, wie man sie therapiert. Welche Therapiemöglichkeiten gibt es also für die einzelnen Formen?

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Fangen wir hier diesmal umgekehrt an und beginnen mit dem kongenitalen Laktasemangel, da der ziemlich schnell abgehandelt ist. Dadurch, dass es sich hierbei nämlich leider um einen angeborenen Enzymdefekt handelt, ist diese Form leider nicht heilbar. In diesem Fall muss also ein Leben lang komplett auf Laktose verzichtet werden bzw. die Mengen so gering gehalten werden wie das Kind es verträgt. Tut man das nicht, kann es zu Unterernährung und schwerwiegenden Wachstums- und Entwicklungsstörungen kommen.

Ein Ausgleich dieses Defekts mit dem Enzym Laktase in Tablettenform ist hier ebenfalls nicht möglich, weil die Laktase zum Teil schon im Magen inaktiviert wird und deshalb später im Dünndarm nicht mehr ausreichend Laktase ankommt, um dieses große Defizit wieder auszugleichen.

Bei der Laktoseintoleranz, wo sich also im Laufe des Lebens die Produktion von Laktase verringert, ist leider auch keine ursächliche Therapie möglich, es gibt allerdings Wege und Möglichkeiten, um die Verträglichkeit zu verbessern.

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass bei einer Laktoseintoleranz immer noch eine Rest-Menge an Laktase produziert werden kann, es somit nicht notwendig und auch nicht ratsam ist, vollständig auf laktosehaltige Produkte zu verzichten. Lebensmittel, die noch 10 g Laktose pro 100 g enthalten, werden sehr oft gut vertragen, häufig sogar noch mehr, insbesondere als Teil einer Mahlzeit, aber dazu kommen wir gleich noch. Statt also vollständig zu verzichten, sollte man für sich herausfinden, wo die individuelle Toleranzgrenze liegt, wie viel Milch, Joghurt, Sahne usw. also noch gehen, ohne dass Beschwerden auftreten. Dazu ist es hilfreich zu wissen, wie viel Laktose die einzelnen Milch und Milchprodukte haben und sich dann von den „leichteren“ zu den „schwereren“ Produkten vorzutasten. In meiner Download-Bibliothek habe ich für dich eine Tabelle zusammengestellt, in der du den Laktosegehalt verschiedener Produkte ablesen kannst und die dir helfen kann, da deine individuelle Verträglichkeit herauszufinden.

Am besten geht man dabei in 3 Schritten vor:

  • Schritt 1 ist, eine 2- bis 4-wöchige sogenannte Karenzphase einzulegen, in der du keine laktosehaltigen Produkte zu dir nimmst. Das ist deshalb wichtig, damit dein Magen-Darm-Trakt einmal zur Ruhe kommt und sich von den Beschwerden wieder erholen kann. Hierbei musst du allerdings nicht auf Spuren von Laktose achten, hier geht es wirklich rein um Milch und Milchprodukte, es sei denn du merkst auch dann noch Beschwerden, dann solltest du Laktose vorerst auch in Spuren meiden. Hinter welchen Bezeichnungen sich Laktose verstecken kann habe ich dir ebenfalls in meiner Download-Bibliothek in einer kleinen Übersicht zusammengestellt. Ob du diese Phase für 2 oder 4 Wochen machst, hängt davon ab, ob du schon nach 2 Wochen keine Beschwerden mehr hast oder erst nach 4.
  • Schritt 2 nach der Karenzphase ist dann das Austesten der eigenen Toleranzschwelle. Experimentiere dabei nicht nur mit den Laktosegehalt einzelner Produkte, sondern auch mit der Menge an Laktose, die du über 1 bis 3 Tage zu dir nimmst (so lange kann die Nahrung nämlich in unserem Darm verweilen), mit dem tierischen Ursprung (also ob Kuh, Schaf oder Ziege z.B.), mit der Tageszeit (manche Menschen vertragen z.B. nur morgens auf nüchternen Magen keine Laktose), der Zubereitungsart (kalt und warm kann einen Unterschied machen, aber auch ob es sich um Joghurt, Käse oder Sahne handelt) und der Zusammensetzung (also ob du z.B. einen Joghurt-Dip zu einer Mahlzeit dazu isst oder ob du z.B. als Zwischenmahlzeit einen Joghurt einzeln isst, aber auch die Fettstufe bzw. ob du noch eine fetthaltiges Lebensmittel mit dazu isst, macht einen Unterschied). In der Regel werden nämlich kalte und fetthaltigere Lebensmittel besser vertragen als andere und auch innerhalb von Mahlzeiten wird Laktose oft besser vertragen als wenn du einen Joghurt pur isst. Für die Phase des Austestens ist es dann sinnvoll, ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen. Auch dafür habe ich in meiner Download-Bibliothek eine Vorlage.
  • Und Schritt 3 ist dann, die gewonnenen Erkenntnisse aus der Testphase in die Dauerernährung zu übernehmen.

Wenn dir das gerade zu schnell ging mit den Schritten, habe ich dir diesen 3-Schritte-Plan nochmal in einer Übersicht als Download zusammengestellt. Ich empfehle dir aber dringend, diese Schritte nicht allein, sondern mit einer erfahrenen Diätassistentin zu gehen, weil man sich dabei – auch wenn es sich einfach anhört – auch echt verstricken kann. Das wird auch von der Krankenkasse bezahlt bzw. bezuschusst.

Dieser 3-Schritte-Plan gehört zu einer Therapie auf jeden Fall dazu und kann aber noch um ein weiteres Verfahren ergänzt werden, das die Verträglichkeit verbessern kann. Es gibt nämlich laut einer Studie die Möglichkeit, durch den Aufbau der Dickdarmflora mit ganz bestimmten Präbiotika über mehrere Wochen die Verträglichkeit von Laktose zu verbessern. Wie ich dir ganz zu Anfang schon erklärt habe, wird die Laktose von unseren Dickdarmbakterien zersetzt, wenn sie von unseren Enzymen nicht gespalten werden kann. Die Präbiotika füttern dann genau diese Bakterien, die für die Zersetzung von Laktose zuständig sind, so dass sie sich vermehren und dadurch dafür sorgen, dass die Beschwerden sich verringern.

Wenn man mal unterwegs ist und den Laktosegehalt einer Speise z.B. im Restaurant, im Urlaub, bei einer Essenseinladung bei Freunden nicht einschätzen kann, dann gibt es das Enzym Laktase auch in Tabletten-Form zu kaufen. Interessant hierbei ist, dass über die Wirksamkeit von solchen Tabletten keinerlei aussagekräftige Studien vorliegen, trotzdem berichten einige Betroffene von einer Besserung der Symptome durch die Tabletten. Wichtig hierbei ist, dass sie auch richtig eingenommen werden, denn wenn man die Tabletten 10 Minuten vor dem Essen nimmt, nützen sie überhaupt nichts. Die Enzyme können nur dann wirken, wenn sie unmittelbar vor oder während der Mahlzeit und auch in der richtigen Menge, also abgestimmt auf die Menge an Laktose, die man zu sich nehmen will, eingenommen werden. Und obwohl diese Tabletten keine Nebenwirkungen haben und auch nicht abhängig machen, sollten sie wirklich nur zu solchen Gelegenheiten eingenommen werden und eine laktosereduzierte Ernährung nicht ersetzen. Aufpassen musst du nur, wenn du Eisen als Nahrungsergänzungsmittel zu dir nimmst, dann kann es zu Wechselwirkungen kommen. Mehr Infos zur richtigen Einnahme von Laktase-Tabletten findest du auch hier auf meiner Webseite.

Wichtig zu wissen für die Laktoseintoleranz ist noch, dass ein einmal ermittelter Status Quo sich nicht halten muss, sprich: Im Laufe der Zeit kann sich deine individuelle Verträglichkeit von Laktose auch nochmal ändern. Wenn du das bemerkst, ist es sinnvoll, nochmal mit dem 3-Schritte-Plan anzufangen und nochmal neu auszutesten, welche Lebensmittel dir gut bekommen und welche nicht.

Bei der Therapie einer Laktoseunverträglichkeit, wo also eine Krankheit, Medikamente oder ein nicht ausbalancierter Magen-Darm-Trakt die Unverträglichkeit ausgelöst hat, sollte zunächst dieser ursächliche Grund behoben werden, also die Krankheit geheilt, das Medikament abgesetzt oder der Magen-Darm-Trakt aufgebaut werden. Ist das nicht möglich, weil die Krankheit zum Beispiel chronisch oder nicht heilbar oder das Medikament einfach notwendig ist, kann man direkt mit dem 3-Schritte-Plan anfangen, den ich vorhin schon erläutert habe. Den würde man sonst auch machen, wenn die Krankheit wieder auskuriert oder das Medikament abgesetzt wurde, also in beiden Fällen schließt sich dieser 3-Schritte-Plan an, mit dem einzigen Unterschied, dass man sich in diesem Fall vermutlich mit dem Laktosegehalt wieder so weit steigern kann, dass man wieder wie vorher essen kann. Das ist auch der große Unterschied zur Laktoseintoleranz, dass man hier die Ursachen beheben und zurückkehren kann zu einer ganz normalen Ernährung wie vorher.

Schafft man das mit dem 3-Schritte-Plan noch nicht, kann man – wie vorhin auch schon erklärt – den Darm mit Präbiotika aufbauen und testen, ob sich danach die Verträglichkeit von Laktose wieder verbessert. Je nachdem wie sehr der Magen-Darm-Trakt aus der Balance geraten ist und ob eventuell noch andere Unverträglichkeiten vorliegen, muss hier auch noch mit zusätzlichen oder anderen Präbiotika gearbeitet werden. Das ist sehr individuell und kann hier nicht pauschalisiert werden.

Übrigens kann man während der Testphase im 3-Schritte-Plan, also in Schritt 2, natürlich auch auf die Laktase-Tabletten zurückgreifen, die ich vorhin auch schon erwähnt habe. Wenn man da also mal im Restaurant ist oder im Urlaub und nicht einschätzen kann, ob in dem bestellten Gericht Laktose drin ist oder nicht, lohnt es sich, sich mit den Tabletten einfach abzusichern.

Teil 2 über Laktose

Damit wären wir am Ende vom Teil 1 dieser Reihe über Laktose angekommen. In der nächsten Folge erzähle ich dir noch ziemlich spannende Sachen darüber, was passiert, wenn man eine Laktoseintoleranz oder -unverträglichkeit ignoriert, warum die Unverträglichkeit schlimmer werden kann, wenn man gar keine Laktose mehr isst, wofür Laktose in unserem Körper eigentlich wichtig ist, auf welche Nährstoffe man achten muss, wenn man Laktose meidet, wie und warum die Lebensmittel- und Pharmaindustrie Laktose verwendet, welche Irrtümer es in Bezug auf Laktose gibt und warum eigentlich immer mehr Menschen die Diagnose Laktoseintoleranz bekommen. Klingt das gut? Dann freu ich mich auf dich in der nächsten Podcast-Folge bzw. dem nächsten Blogartikel! 🙂

Alles klar?

Konnte ich dir mit diesem Artikel weiterhelfen? Dann freue ich mich über einen Kommentar! 🙂 Gerne kannst du mir dort auch erzählen, ob du von einer Laktose-Intoleranz oder -Unverträglichkeit betroffen bist, wie sie bei dir diagnostiziert wurde und welche Erfahrungen du in deiner Therapie gemacht hast.

Wenn du jemanden kennst, dem dieser Artikel weiterhelfen könnte, dann teile ihn oder die Podcast-Folge doch einfach 🙂

Sind noch Fragen offen geblieben? Dann schreib sie mir gerne in die Kommentare oder schick mir eine E-Mail.

Alles über Laktose - Teil 1

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