Die größten Irrtümer in Bezug auf Laktose

Die größten Irrtümer in Bezug auf Laktose

In den letzten Jahren sind immer mehr angebliche “Wahrheiten” über Laktose in Bezug auf eine Intoleranz oder Unverträglichkeit verbreitet worden, die sich jedoch in den meisten Fällen als falsch erwiesen. Im Folgenden geht es also darum, welche Irrtümer das sind und was daran wahr und was falsch ist.

Man sollte auf Laktose in Geschmacksverstärkern und Aromen achten

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man bei einer Laktose-Intoleranz oder einer Unverträglichkeit auch auf Aromen und Geschmacksverstärker achten muss. Zwar ist es tatsächlich so, dass sich hinter dieser Bezeichnung auf Verpackungen auch Laktose verstecken kann, da sie hier als Trägerstoff von Aromen dient, aber die Menge ist so verschwindend gering, dass sie keine Bedeutung für eine Intoleranz oder Unverträglichkeit hat.

Laktosefreie Produkte sind zu 100% laktosefrei

Ein weiterer Irrtum in Zusammenhang mit Laktose ist, dass spezielle „frei von“-Produkte, die also als laktosefrei ausgezeichnet werden, wirklich 0 % Laktose enthalten. Tatsächlich ist der Begriff „laktosefrei“ gar nicht für alle Lebensmittel rechtlich geregelt.

Für Milcherzeugnisse wie Joghurt und Buttermilch sowie Käse und Käseerzeugnisse gilt, dass sie dann als laktosefrei gelten, wenn sie weniger als 0,1 Gramm pro 100 Gramm oder Milliliter an Laktose enthalten. Das muss dann auch auf dem Produkt gekennzeichnet werden. Für Säuglingsanfangsnahrung gilt ein Gehalt von 10 Milligramm pro 100 Kilokalorien als laktosefrei.

Alle anderen Lebensmittel wie z.B. Wurst, Zwieback usw. können die Hersteller freiwillig als „laktosefrei“ bewerben. Hier gilt nur, dass wenn ein Hinweis drauf ist, er nicht irreführend sein darf und es gibt eine Empfehlung der Lebensmittelchemischen Gesellschaft, dass man sich dabei an denselben Werten wie für Milcherzeugnisse und Käse hält, also 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm. Das hat sich in der Praxis tatsächlich auch so durchgesetzt.

Auch noch interessant: Eigentlich dürfen Produkte, die von Natur aus laktosefrei sind, wie z.B. Haferflocken oder Pflanzenöl nicht als „laktosefrei“ beworben werden, weil das als Irreführung gilt und damit verboten ist. Eine Bewerbung mit „von Natur aus laktosefrei“ ist hingegen erlaubt. Eine Ausnahme bilden Hart- und Schnittkäse, die zwar auch von Natur aus laktosefrei sind, bei denen das Oberlandesgericht Düsseldorf aber entschieden hat, dass man nicht davon ausgehen kann, dass der Verbraucher weiß, dass hier durch die natürliche Reifung die Laktose abgebaut wird. Auf Hart- und Schnittkäse darf also „laktosefrei“ draufstehen.

Produkte mit Spurenkennzeichnung sind zu meiden

Ein weiterer Irrtum ist, dass man auch Produkte, die einen Allergiehinweis tragen (z.B. „kann Spuren von Milch enthalten“ oder „kann Spuren von Laktose enthalten“) meiden muss.

Dieser Hinweis steht nur deswegen auf den Produkten, weil Milch bzw. Milcheiweiß ein bekanntes und weit verbreitetes Allergen ist und deswegen aus rechtlichen Gründen hier ein Allergiehinweis aufgedruckt werden muss. Deshalb sind übrigens auch alle Zutaten, die Milch enthalten, in der Zutatenliste fett oder in Großbuchstaben gedruckt.

Wie dieser Allergiehinweis jedenfalls aber auch schon sagt, sind hier nur Spuren davon enthalten und diese Spuren sind wirklich so gering, dass man sie getrost ignorieren kann, wenn man nicht von einer Allergie, sondern eben nur von einer Intoleranz oder Unverträglichkeit betroffen ist.

Taucht in der Zutatenliste keine Laktose auf, ist auch keine Laktose drin

Wo wir gerade schon im Kennzeichnungsdschungel sind: Wenn in der Zutatenliste „Laktose“ als Wort nicht aufgeführt ist, muss das nicht heißen, dass auch keine drin ist.

Hier geht der Gesetzgeber von einem mündigen Bürger aus, der weiß, dass sich hinter den Begriffen Milch, Sahne, Süßmolkenpulver, Milcheiweiß, Quark etc. ebenfalls Laktose verbirgt. Wenn du eine übersichtliche Liste dieser Begriffe haben möchtest, dann schau mal in meiner Download-Bibliothek vorbei.

Joghurts sind generell unbedenklich bei einer Intoleranz oder Unverträglichkeit

Ein letzter Irrtum in Zusammenhang mit Laktose ist, dass Joghurts generell unbedenklich sind, weil dort Milchsäurebakterien drin sind, die die Laktose abbauen. Zwar ist letzteres korrekt, also dass Milchsäurebakterien Laktose abbauen und sie z.B. Joghurt deshalb verträglicher machen, aber das trifft leider in der Formulierung „generell unbedenklich“ nur auf säuerliche Naturjoghurts ohne Zusatzstoffe zu.

Fruchtjoghurts z.B. werden erhitzt, so dass Bakterien absterben und nicht mehr ausreichend wirksam sind, also kaum noch Laktose abbauen. Außerdem wird Joghurts häufig noch Milchpulver zugesetzt, wodurch sich der Laktosegehalt erhöht. Ob du also auch diese Joghurts gut verträgst hängt dann wiederum von deiner individuellen Toleranzgrenze ab.

Wichtiger Hinweis für "frei von"-Produkte

Ein letzter Satz und Hinweis noch zum Thema Lebensmittelindustrie und „frei von“-Produkte: Obwohl diese Produkte oft wirklich gut und hilfreich sind, treibt die Lebensmittelindustrie damit auch ein bisschen Schabernack und kennzeichnet hier gerne mal Produkte, die sowieso von Natur aus laktosefrei sind.

Das ist zwar für Betroffene hilfreich, allerdings nur dann, wenn diese Kennzeichnung nicht allein aus Marketing-Gründen geschieht und die Produkte um ein Vielfaches teurer sind als die von Konkurrenten, obwohl die genauso von Natur aus laktosefrei sind. Hier lohnt sich also manchmal ein genauerer Blick und Preisvergleich. Ein paar hilfreiche Tipps dazu findest du noch in meiner Tabelle mit dem Laktosegehalt verschiedener Lebensmittel, die du in meiner Download-Bibliothek findest.

Alles klar?

Ich hoffe, ich konnte dir einen gut verständlichen Einblick darin geben, welche Irrtümer es in Bezug auf Laktose gibt und was davon wahr und was falsch ist. Falls trotzdem noch Fragen offen geblieben sind, dann stell sie mir gern in einem Kommentar hier unter dem Beitrag! 🙂

Weiterführende Infos

Immer mehr Menschen bekommen die Diagnose Intoleranz oder Unverträglichkeit – aber warum ist das eigentlich so? Mehr darüber kannst du in diesem Artikel lesen.