Therapie Laktose-Intoleranz

Therapie einer Laktose-Intoleranz oder -Unverträglichkeit

Entgegen der Behauptung vieler Ärzte gibt es Formen der Laktose-Intoleranz bzw. -Unverträglichkeit, die wieder rückgängig gemacht werden können. Welche das sind und wie das funktioniert, erfährst du in diesem Blogartikel.

Wichtiger Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels können keinen medizinischen Rat ersetzen. Sprich deshalb eine Therapie bitte immer mit einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft ab.

Therapie der Laktose-Intoleranz

Bei der Laktoseintoleranz, wo sich also im Laufe des Lebens die Produktion des Enzyms Laktase verringert, ist leider auch keine ursächliche Therapie möglich, es gibt allerdings Wege und Möglichkeiten, um die Verträglichkeit zu verbessern.

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass bei einer Laktoseintoleranz immer noch eine Rest-Menge des Enzyms Laktase produziert werden kann, es somit nicht notwendig und auch nicht ratsam ist, vollständig auf laktosehaltige Produkte zu verzichten. Lebensmittel, die noch 10 g Laktose pro 100 g enthalten, werden sehr oft gut vertragen, häufig sogar noch mehr, insbesondere als Teil einer Mahlzeit.

Statt also vollständig zu verzichten, sollte man für sich herausfinden, wo die individuelle Toleranzgrenze liegt; wie viel Milch, Joghurt, Sahne usw. also vertragen werden, ohne dass Beschwerden auftreten. Dazu ist es hilfreich zu wissen, wie viel Laktose die einzelnen Milchprodukte enthalten, um sich dann von den „leichteren“ zu den „schwereren“ Produkten vortasten zu können. In meiner Download-Bibliothek habe ich für dich eine Tabelle zusammengestellt, in der du den Laktosegehalt verschiedener Produkte ablesen kannst, die dir also helfen kann, deine individuelle Verträglichkeit herauszufinden.

Am besten geht man dabei in 3 Schritten vor:

  • Schritt 1 ist eine 2- bis 4-wöchige sogenannte Karenzphase. In dieser Phase nimmst du keine laktosehaltigen Produkte zu dir. Das ist deshalb wichtig, damit dein Magen-Darm-Trakt einmal zur Ruhe kommt und sich von den Beschwerden wieder erholen kann. Hierbei musst du allerdings nicht auf Spuren von Laktose achten, es geht hier allein um Milch und Milchprodukte. Ausnahme: Du merkst auch bei Spuren von Laktose noch Beschwerden, dann solltest du sie vorerst auch dann meiden. Hinter welchen Bezeichnungen sich Laktose verstecken kann habe ich dir ebenfalls in meiner Download-Bibliothek in einer kleinen Übersicht zusammengestellt. Ob du diese Phase für 2 oder 4 Wochen machst, hängt davon ab, ob du schon nach 2 Wochen keine Beschwerden mehr hast oder erst nach 4.
  • Schritt 2 nach der Karenzphase ist dann das Austesten der eigenen Toleranzschwelle. Experimentiere dabei nicht nur mit den Laktosegehalt einzelner Produkte, sondern auch…
    • … mit der Menge an Laktose, die du über 1 bis 3 Tage zu dir nimmst (so lange kann die Nahrung nämlich in unserem Darm verweilen)
    • … mit dem tierischen Ursprung (also ob Kuh, Schaf oder Ziege z.B.)
    • … mit der Tageszeit (manche Menschen vertragen z.B. nur morgens auf nüchternen Magen keine Laktose)
    • … mit der Zubereitungsart (kalt und warm kann einen Unterschied machen, aber auch ob es sich um Joghurt, Käse oder Sahne handelt)
    • … und mit der Zusammensetzung (also ob du z.B. einen Joghurt-Dip zu einer Mahlzeit dazu isst oder ob du als Zwischenmahlzeit einen Joghurt pur isst; auch die Fettstufe bzw. ob du noch eine fetthaltiges Lebensmittel mit dazu isst, macht einen Unterschied). In der Regel werden nämlich kalte und fetthaltigere Lebensmittel besser vertragen als andere und auch innerhalb von Mahlzeiten wird Laktose oft besser vertragen als wenn du einen Joghurt pur isst.

Für die Phase des Austestens ist es sinnvoll, ein Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen. Auch dafür habe ich in meiner Download-Bibliothek eine Vorlage.

  • Schritt 3 ist dann, die gewonnenen Erkenntnisse aus der Testphase in die Dauerernährung zu übernehmen.

Diesen 3-Schritte-Plan findest du auch nochmal in einer Übersicht als Download zusammengestellt. Ich empfehle dir allerdings dringend, diese Schritte nicht allein, sondern mit einer erfahrenen Diätassistentin zu gehen, weil man sich dabei – auch wenn es sich einfach anhört – auch sehr verstricken kann. Diese Beratung wird auch von der Krankenkasse bezahlt bzw. bezuschusst.

Ein solcher 3-Schritte-Plan gehört zu einer Therapie in jedem Fall dazu, kann aber noch um ein weiteres Verfahren ergänzt werden, das die Verträglichkeit verbessern kann. Es gibt nämlich laut einer Studie die Möglichkeit, durch den Aufbau der Dickdarmflora mit ganz bestimmten Präbiotika über mehrere Wochen die Verträglichkeit von Laktose zu verbessern. Wie ich dir in einem anderen Blogartikel schon erklärt habe, wird die Laktose von unseren Dickdarmbakterien zersetzt, wenn sie von unseren Enzymen nicht gespalten werden kann. Diese Präbiotika füttern genau die Bakterien, die für die Zersetzung von Laktose zuständig sind, so dass sie sich vermehren und dadurch dafür sorgen, dass die Beschwerden sich verringern.

Wenn man einmal unterwegs ist und den Laktosegehalt einer Speise z.B. im Restaurant, im Urlaub, bei einer Essenseinladung bei Freunden nicht einschätzen kann, dann gibt es das Enzym Laktase auch in Tabletten-Form zu kaufen. Interessant hierbei ist, dass über die Wirksamkeit von diesen Tabletten keinerlei aussagekräftige Studien vorliegen. Trotzdem berichten einige Betroffene von einer Besserung der Symptome durch die Tabletten. Wichtig hierbei ist, dass sie richtig eingenommen werden, sonst nützen sie nichts. Die Enzyme können nur dann wirken, wenn sie unmittelbar vor oder während der Mahlzeit und auch in der richtigen Menge, also abgestimmt auf die Menge an Laktose, die man zu sich nehmen will, eingenommen werden. Und obwohl diese Tabletten keine Nebenwirkungen haben und auch nicht abhängig machen, sollten sie nur zu seltenen Gelegenheiten eingenommen werden und eine laktosereduzierte Ernährung nicht ersetzen. Aufpassen musst bei Laktase-Präparaten nur, wenn du Eisen als Nahrungsergänzungsmittel zu dir nimmst, dann kann es zu Wechselwirkungen kommen. Mehr Infos zur richtigen Einnahme von Laktase-Tabletten findest du in diesem Blogartikel.

Für die Laktoseintoleranz wichtig zu wissen ist, dass ein einmal ermittelter Status Quo sich nicht halten muss, sprich: Im Laufe der Zeit kann sich deine individuelle Verträglichkeit von Laktose verändern. Wenn du das bemerkst, ist es sinnvoll, noch einmal mit dem 3-Schritte-Plan anzufangen und erneut auszutesten, welche Lebensmittel dir gut bekommen und welche nicht.

Therapie der Laktose-Unverträglichkeit

Bei der Therapie einer Laktoseunverträglichkeit, wo also eine Krankheit, Medikamente oder ein nicht ausbalancierter Magen-Darm-Trakt die Unverträglichkeit ausgelöst hat, sollte zunächst dieser ursächliche Grund behoben werden, also die Krankheit geheilt, das Medikament abgesetzt oder der Magen-Darm-Trakt aufgebaut werden. Ist das nicht möglich, weil die Krankheit zum Beispiel chronisch oder nicht heilbar oder das Medikament einfach notwendig ist, kann man direkt mit dem 3-Schritte-Plan anfangen, den ich vim Abschnitt oben bereits erläutert habe. Diesen 3-Schritte-Plan würde man auch machen, sobald die Krankheit auskuriert oder das Medikament abgesetzt wurde, in beiden Fällen schließt sich also dieser 3-Schritte-Plan an. Mit dem einzigen Unterschied, dass man sich im Fall einer Unverträglichkeit aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Laktosegehalt wieder so weit steigern kann, dass man wieder wie vorher essen kann. Das ist auch der große Unterschied zur Laktoseintoleranz: man kann hier die Ursachen beheben und zurückkehren zu einer ganz normalen Ernährung wie vor der Unverträglichkeit.

Schafft man das mit dem 3-Schritte-Plan noch nicht, kann man – wie oben ebenfalls bereits erklärt – den Darm mit Präbiotika aufbauen und testen, ob sich danach die Verträglichkeit von Laktose wieder verbessert. Je nachdem wie sehr der Magen-Darm-Trakt aus der Balance geraten ist und ob eventuell noch andere Unverträglichkeiten vorliegen, muss hier auch noch mit zusätzlichen oder anderen Präbiotika gearbeitet werden. Das ist sehr individuell und kann hier nicht pauschalisiert werden. Sprich am besten auch in diesem Fall mit deiner Diätassistentin deines Vertrauens.

Während der Testphase im 3-Schritte-Plan, also in Schritt 2, kann auch auf die oben bereits erwähnten Laktase-Tabletten zurückgegriffen werden. Wenn man also im Restaurant isst oder im Hotel im Urlaub und nicht einschätzen kann, ob in dem bestellten Gericht Laktose enthalten ist, lohnt es sich, sich gegebenenfalls mit Laktase-Tabletten abzusichern.

Therapie der Alactasie

Dadurch, dass es sich bei der Alactasie um einen angeborenen Enzymdefekt handelt, ist diese Form der Intoleranz leider nicht heilbar. In diesem Fall muss ein Leben lang komplett auf Laktose verzichtet bzw. die Mengen so gering gehalten werden wie das Kind es verträgt. Tut man dies nicht, kann es zu Unterernährung und schwerwiegenden Wachstums- und Entwicklungsstörungen kommen.

Ein Ausgleich dieses Defekts mit dem Enzym Laktase in Tablettenform ist hier ebenfalls nicht möglich, weil die Laktase zum Teil schon im Magen inaktiviert wird und deshalb später im Dünndarm nicht mehr ausreichend Laktase ankommt, um dieses große Defizit wieder auszugleichen.

Alles klar?

Ich hoffe, ich konnte dir einen gut verständlichen Einblick darin geben, welche Therapiemöglichkeiten es für eine Laktose-Intoleranz oder -Unverträglichkeit gibt. Falls trotzdem noch Fragen offen geblieben sind, dann stell sie mir gern in einem Kommentar hier unter dem Beitrag! 🙂

Weiterführende Infos

Wenn du wissen möchtest, welche schlimmen Folgen es haben kann, wenn man eine Laktose-Intoleranz oder -Unverträglichkeit ignoriert, dann lies in diesem Blogartikel weiter.