Unspezifische Nahrungsmittelintoleranz - Was was damit auf sich hat
Podcast

Was es mit der unspezifischen Nahrungsmittelintoleranz auf sich hat

Vielleicht kennst du das ja auch: Du hast immer wieder Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Völlegefühl und vielleicht sogar Erbrechen, warst auch schon beim Arzt und hast Tests auf Laktose, Fructose, Gluten, Histamin, verschiedene Allergien und Darmkrankheiten gemacht und alle bescheinigen dir, dass du angeblich gesund bist. Dazu kommt, dass du deine Beschwerden gar nicht auf eine bestimmte Lebensmittelgruppe einschränken kannst, es scheinen eher einzelne Lebensmittel zu sein, die man gar nicht sinnvoll zu Gruppen zuordnen kann und die scheinbar auch kaum etwas miteinander gemeinsam haben. Beispiele für solche Lebensmittel wären Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Bohnen, Gurken, Frittiertes, kohlensäurehaltige Getränke, Kohl, Paprika oder Zwiebeln.

Findest du dich in dieser Auflistung wieder? Dann könnte es sich um eine sogenannte unspezifische Nahrungsmittelintoleranz handeln, bei der eben nicht bestimmte Lebensmittelgruppen, sondern nur einzelne Lebensmittel aus diesen Gruppen Beschwerden auslösen. Und genau dazu möchte ich dir heute erklären wie so etwas entsteht, welche Lebensmittel am häufigsten Beschwerden auslösen und wie man eine solche unspezifische Nahrungsmittelintoleranz therapiert.

Höre diesen Artikel als Podcast-Folge an

Du kannst meinen Podcast auch auf folgenden Plattformen abonnieren:

iTunes
Spotify
Google Podcast
Deezer
YouTube

Wenn du etwas aus dieser Folge mitgenommen hast, wenn die Tipps für dich hilfreich waren, dann würde ich mich über eine 5-Sterne-Rezension z.B. auf iTunes freuen. Damit unterstützt du mich und die gesamte “wir sind kostbar”-Community, dass auch andere diese Tipps finden und davon profitieren können. Und wenn du jemanden in deinem Bekanntenkreis kennst, dem diese Tipps auch helfen könnten, dann teile diese Folge doch gern und erzähle von meinem Podcast! 🙂

Wie entsteht eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz?

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz auslösen können:

Zunächst mal können das psychische Faktoren sein, allen voran natürlich wieder unser Übeltäter Nummer eins, der Stress. Wenn wir unter Stress essen, läuft unsere Verdauung auf Sparflamme und es kann schnell zu Verdauungsbeschwerden kommen. Aber auch nicht akuter, sondern subtiler Stress wie Trauer, depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen, Angstzustände, Schmerzen und eine generelle Unzufriedenheit mit sich und dem Leben bedeuten für unseren Körper Stress, was sich wiederum in einer mangelhaften Verdauung wiederspiegeln kann.

Übrigens können auch schon bestimmte Vorurteile gegen Lebensmittel zu einer Unverträglichkeit bzw. zu Beschwerden führen. Wenn ich fest davon überzeugt bin, dass ich z.B. Zwiebeln nicht vertrage, dann wird unser Körper auch genau so darauf reagieren. Das zeigt wieder einmal sehr deutlich, wie groß der Einfluss unserer Psyche auf unsere Verdauung ist.

Ein weiterer Faktor ist der Aufbau unserer Darmflora. Wenn sich im Darm die falschen Bakterien vermehrt und die guten Bakterien zurückgedrängt haben, können ebenfalls unspezifische Nahrungsmittelintoleranzen entstehen.

Zuckeraustauschstoffe können ebenfalls eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz auslösen. Zuckeraustauschstoffe sind von unserem Körper nur teilweise verwertbar, sie kommen vor allem in Kaugummi, Bonbons und verschiedenen Obstsorten wie z.B. Birnen, Äpfel und Pflaumen vor. Beispiele für konkrete Zuckeraustauschstoffe sind z.B. Sorbit, Erythrit, Xylit etc., also diese Zuckeralternativen, die gerade auch so im Trend sind, weil sie eben weniger Kalorien haben als Zucker.

Ein letzter Faktor, der eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz auslösen kann, sind bestimmte – ich nenne sie jetzt mal –  “Essfehler” wie z.B. ein sehr weizenlastiges Essen, viele Smoothies bzw. zu viel Obst, viele fetthaltige Lebensmittel, viele Fertigprodukte usw. Solche Essfehler können deshalb eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz auslösen, weil wir dadurch bestimmte Stoffe in einer so großen Menge zu uns nehmen wie wir sie als Menschen nie zuvor zu uns genommen haben und unser Körper damit überlastet ist bzw. rein genetisch gesehen gar nicht darauf eingestellt ist.

Lebensmittel, die häufig Beschwerden auslösen

So viel zu den Faktoren, die eine unspezifische Nahrungsmittelintoleranz auslösen können. Schauen wir uns jetzt mal die Lebensmittel noch etwas konkreter an, die dann häufig Probleme bereiten. Hierzu ist noch wichtig zu wissen, dass das mitunter sehr individuell sein kann, genauso wie die Beschwerden, die ich eingangs genannt hatte, sehr individuell sein können und bei einer Person auch immer wieder unterschiedlich sein können. Also Lebensmittel X muss nicht immer Beschwerde Y auslösen, sondern kann auch mal Beschwerde Z und dann wieder Beschwerde A auslösen. Du verstehst, was ich meine 😉

Die problematischen Lebensmittel können also sehr unterschiedlich sein, aber man hat mal eine Befragung bei knapp 2.000 Krankenhauspatienten in Deutschland durchgeführt und diese Patienten danach gefragt, welche Lebensmittel sie nicht so gut vertragen. Diese Befragung war natürlich sehr subjektiv, aber es wurden eben doch einige Lebensmittel erstaunlich häufig genannt. Trotzdem sollte man vielleicht dazu sagen, dass das keine richtig wissenschaftliche Studie war und das – meine ich – sogar schon irgendwann in den 70er-Jahren war, aber seitdem wurde scheinbar keine weitere Befragung oder Studie dazu durchgeführt. Was aber vielleicht auch nicht unbedingt notwendig ist, weil die Ergebnisse durchaus immer noch ihre Gültigkeit haben. Aber kommen wir zurück zu den Lebensmitteln, ich gehe sie in Gruppen durch:

Aus der Gruppe der Getreide und Getreideprodukte werden oft Vollkornbrote bzw. Brote mit ganzen Körnern sowie frisches Brot und fette Backwaren, also z.B. Sahne- oder Cremetorten nicht gut vertragen. Außerdem werden gebratene und in Fett ausgebackene Kartoffelgerichte wie z.B. Pommes, Bratkartoffeln und Kroketten, aber auch Kartoffelsalat mit Speck, Mayonnaise oder viel Öl nicht gut vertragen.

Aus der Gruppe der Gemüsesorten werden vor allem Kohlsorten wie Grünkohl, Rotkohl, Weißkohl und Rosenkohl, aber auch Wirsing und Sauerkraut nicht gut vertragen. Auch Zwiebelgewächse wie Zwiebeln, Lauch bzw. Porree und Frühlingszwiebeln werden nicht gut vertragen. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Linsen können Probleme machen, aber auch Pilze, Paprika, Oliven, Gurken und Rettich. Salate, die mit diesen Gemüsen hergestellt und zusätzlich mit Mayonnaise oder fettigen Saucen zubereitet wurden, werden auch oft nicht gut vertragen.

Aus der Gruppe der Obstsorten wird oft unreifes Obst wie z.B. grüne Bananen nicht gut vertragen, aber auch rohes Steinobst wie Kirschen oder Pflaumen. Außerdem gehören Avocados und die Gruppe der Nüsse, insbesondere Mandeln und Pistazien zu den weniger gut verträglichen.

Aus der Gruppe der Milch und Milchprodukte zählen Vollmilch und vollfette, auch gesäuerte Milchprodukte dazu, also z.B. Quark in der höchsten Fettstufe, aber auch Sahne und Sauerrahm über 20% Fett. Auch pikante und sehr fetthaltige Käsesorten (also mit einem Fettgehalt von über 45% Fett in der Trockenmasse) werden oft nicht gut vertragen. Also zum Beispiel Schimmelkäse, Gorgonzola, Roquefort, Bergkäse usw. Was Eier angeht, werden oft hartgekochte Eier und fettreiche süße oder pikante Eierspeisen z.B. Rührei mit Speck, Spiegelei oder Mayonnaise nicht gut vertragen.

Aus der Gruppe Fleisch und Wurst werden oft fette, geräucherte, gepökelte oder scharf angebratene Fleischgerichte nicht vertragen oder mit Speck gespickte Fleischteile. Fettes Fleisch wie z.B. Ente, Gans oder Geflügelhaut werden ebenfalls nicht gut vertragen und fette und geräucherte Wurstsorten.

Aus der Gruppe Fisch und Fischwaren sind fette und geräucherte Fische wie Aal ein Problem und Fischerzeugnisse in Saucen oder Cremes, also z.B. diese in Öl oder Saucen eingelegten Fische aus Konserven.

Aus der Gruppe Öle und Fette sind es keine bestimmten Sorten, sondern eher eine reichliche Menge an solchen Fetten und Ölen, die dann zum Kochen und Braten bzw. auch aufs Brot verwendet werden und nicht gut vertragen werden.

Aus der Gruppe der Getränke werden häufig kohlensäurehaltige und eisgekühlte sowie alkoholische Getränke zum Problem.

Und aus der Gruppe der Kräuter und Gewürze können größere Mengen an Pfeffer, Salz, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerrettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver sowie scharfe Gewürzmischungen Beschwerden auslösen.

Ein oft unterschätzter Faktor

Das waren jetzt mal so die wichtigsten und gängigsten Lebensmittel, die Probleme verursachen können, aber wie gesagt: Das ist bei jedem Menschen unterschiedlich und wenn du bisher mit Paprika kein Problem hattest, dann solltest du sie beim nächsten Essen auch nicht kritisch beäugen, denn wie ich dir ja vorhin auch schon erzählt habe, können auch schon Vorurteile über Lebensmittel Unverträglichkeiten bzw. Beschwerden auslösen.

Was man auch noch rausgefunden hat und was sehr wichtig ist, ist, dass häufig gar nicht so sehr das Was, sondern das Wie beim Essen darüber entscheidet, ob ich etwas gut vertrage oder nicht. Da spielt einmal wieder der Faktor Stress mit rein, aber tatsächlich auch solche Dinge wie ob ich im Stehen oder Gehen esse oder ob ich mich dafür hinsetze. Im Sitzen isst es sich – wie du dir sicher denken kannst – für uns Menschen am entspanntesten.

Außerdem spielt noch eine Rolle, ob das Lebensmittel roh oder gekocht ist, ob es zerkleinert wurde oder noch ganz ist und zu welcher Tageszeit es gegessen wird. Um das mal direkt zu konkretisieren: Gekochte Lebensmittel sind meist besser verträglich als rohe und zerkleinerte besser als Ganze. Das hat mit der Zellstruktur zu tun, die durch das Kochen bzw. Zerkleinern eben schon teilweise zerstört und damit quasi vorverdaut wird, so dass unser Körper damit weniger Arbeit hat. Was die Tageszeit angeht, so werden große und schwere Mahlzeiten morgens und mittags besser vertragen als abends.

An dem Spruch “morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler” zu essen ist also tatsächlich was dran und wer merkt, dass er z.B. schlecht einschlafen kann, weil da immer noch was im Bauch rumort, der sollte sich abends vielleicht lieber auf eine leichtere und kleinere Mahlzeit beschränken.

Was auch noch ganz wichtig ist zu wissen bei diesem Thema, ist, dass dir durch die Beschwerden, die du hast, bzw. das Essen der Lebensmittel, obwohl du sie vielleicht nicht gut verträgst, keine langfristigen dauerhaften Schäden entstehen können. Du hast also immer „nur“ die Beschwerden danach und dann geht’s irgendwann wieder, aber du schadest dir nicht dauerhaft. Trotzdem wäre es ja schön, dem Ganzen ein Ende zu bereiten und dazu komm ich jetzt auch direkt.

Therapie der unspezifischen Nahrungsmittelintoleranz

Die Lebensmittel, die dann die Beschwerden auslösen, sind ja nicht die eigentliche Ursache. Das heißt, natürlich ist es als kurzfristige Therapie sinnvoll, diese Lebensmittel wegzulassen. Wer schon mal im Krankenhaus oder einer Reha-Klinik war, der kennt das vielleicht, dass dort oft ein Menü angeboten wird, das sich “Leichte Vollkost” oder (ein bisschen veraltet) auch noch “Schonkost” oder – ganz neu – “Angepasste Vollkost” nennt. Das ist immer das Menü, wo viele dieser Lebensmittel, die ich vorhin genannt habe, weggelassen werden. Und unter diesem Begriff, also “Leichte Vollkost” oder “Angepasste Vollkost” oder eben “Schonkost”, findet man im Internet auch ganz viele Rezepte.

Wie aber gerade schon erwähnt ist das nur eine kurzfristige Lösung. Langfristig möchte man ja eigentlich wieder alles essen können und dazu gibt es die positive Nachricht, dass sich die Verträglichkeit von Lebensmitteln im Laufe des Lebens ändern kann. Natürlich leider einerseits in die negative Richtung, wo dann Beschwerden entstehen, aber eben auch in die andere Richtung, nämlich dass man vieles auch wieder vertragen kann, wenn man es richtig anstellt.

Und „richtig anstellen“ tut man es in diesem Fall, indem man die anfangs genannten Faktoren, die die Intoleranz überhaupt erst ausgelöst haben, eliminiert oder zumindest eindämmt. Das bedeutet, dass du deine Esssituation immer – und das ist wirklich elementar wichtig – dass du die Esssituation immer so angenehm und entspannt wie möglich gestalten solltest. Schalte alle Ablenkungen aus, setz dich in Ruhe hin, iss langsam, genieße jeden Bissen!

Schau darüber hinaus, dass deine Lebensmittelauswahl möglichst gesund, also möglichst natürlich und selbst gemacht ist. Das sind schon mal zwei ganz wesentliche Punkte, die schon viel ausmachen können. Stressreduktion, Entspannungstechniken und Aufbau der Darmflora wären weitere Punkte, die einen großen Unterschied machen können. Und ebenfalls ganz wichtig ist der Mut, Lebensmittel ohne Vorurteile immer mal wieder auszutesten. Und sich da gerne auch langsam ranzutasten. Gerade bei Hülsenfrüchten zum Beispiel tritt auch ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. Sprich: Erst verträgt man vielleicht noch nicht gleich eine ganze Linsenbolognese, sondern einfach nur ein paar gekochte Linsen im Salat, aber je öfter unser Darm mit diesem Lebensmittel konfrontiert wird, desto mehr verträgt er davon auch, weil sich die Darmflora entsprechend umstellt. Das gilt nicht für alle Lebensmittel, aber bei Hülsenfrüchten und allen Lebensmitteln mit vielen Ballaststoffen wie Vollkornbrote oder Pseudogetreide, da hat man genau diesen Gewöhnungseffekt.

Alles klar?

Konnte ich dir mit diesem Artikel weiterhelfen? Dann freue ich mich über einen Kommentar! 🙂 Gerne kannst du mir dort auch erzählen, ob du von einer unspezifischen Nahrungsmittelintoleranz betroffen bist und welche Erfahrungen du bisher damit gemacht hast.

Wenn du jemanden kennst, dem dieser Artikel weiterhelfen könnte, dann teile ihn oder die Podcast-Folge doch einfach 🙂

Sind noch Fragen offen geblieben? Dann schreib sie mir gerne in die Kommentare oder schick mir eine E-Mail.

Unspezifische Nahrungsmittelintoleranz - Was was damit auf sich hat

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.